CfP: Workshop „Re-Spacializing Spain – Spanische Zeitgeschichte global und transnational“ an der Universität Wien – Deadline für Abstracts 20. April

Vom 19.-21. September veranstaltet die Universität Wien in Kooperation mit der Universität Leipzig einen dreitägigen Workshop mit dem Thema „“Re-Spacializing Spain – Spanische Zeitgeschichte global und transnational“. Die Veranstalter*innen des Workshops „Re-Spacializing Spain — spanische Zeitgeschichte global und transnational“ möchten daher dazu einladen, gemeinsam etablierte Forschungspositionen zu überdenken und neue Perspektiven der deutschsprachigen Spanienforschung im September 2019 in Wien zu diskutieren.

In der zeithistorischen Forschung spielt(e) Spanien oft die Rolle des „forschungsgegenständlichen Exoten“. In der Auseinandersetzung mit den historischen Entwicklungen im 20. Jahrhundert stellten die Pyrenäen dabei mehr als nur eine natürliche Grenze zwischen der Iberischen Halbinsel und dem restlichen Kontinent dar. Die Gebirgskette wurde zum Symbol, an ihr endete Europas Geschichte. Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Prozesse, die das Europa auf der anderen Seite der Pyrenäen während des 20. Jahrhunderts beschäftigt hatten, dazu zählten sowohl die Staatsbildungsprozesse, die beiden Weltkriege aber auch jüngere Phänomene wie der Kalte Krieg oder auch die Geschichte der sozialen Bewegungen der 1960er Jahre, ließen Spanien konsequent außen vor. Begründet wurde diese geschichtswissenschaftliche Marginalisierung damit, dass Spanien früh einen eigenen, fast schon unabhängigen Weg eingeschlagen hatte. Dieser vermeintliche „Sonderweg“ Spaniens verfestigte sich als Topos auch in der historischen Spanienforschung und verstellte für lange Zeit den Blick auf verbindende Prozesse und transnationale Beziehungen innerhalb Europas und darüber hinaus. Nichtsdestotrotz war die iberische Halbinsel im Verlauf des 20. Jahrhunderts wiederholt Schauplatz internationaler Austauschprozesse und (politischer) Verflechtungen: Kaum ein militärischer Konflikt erfuhr eine höhere weltweite Solidarität als der Spanische Bürgerkrieg. Auch wenn sich Spanien am Kampfgeschehen des Zweiten Weltkriegs kaum beteiligte, boten sich den Flüchtlingen des Kriegs Möglichkeiten, den europäischen Kontinent über einen der Häfen der Iberischen Halbinsel zu verlassen. Durch die langwährende Diktatur Francos erfolgte die „europäische“ Integration Spaniens in die Interessengemeinschaft der Europäischen Union 1986 zwar mit erheblicher Verzögerung, doch darf seine geostrategische Position während des Kalten Kriegs nicht unterschätzt werden.

Aus gutem Grund wird daher seit den letzten beiden Dekaden die (künstliche) Vernachlässigung Spaniens in europäischer und globaler Perspektive in Frage gestellt und von Wissenschaftler*innen als Geschichte der Entfremdung gedeutet. Komparative und transnationale Ansätze – wie in den Bereichen der Erinnerungs-, der Transformations- und der Nationalismusforschung, sowie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte oder der vergleichenden Faschismusforschung bereits geschehen – weisen auf das fruchtbare Potential hin, das eine Einordnung Spaniens in das europäische Untersuchungspanorama hat. Längst ist klar: Spaniens Zeitgeschichte ist europäische Zeitgeschichte und umgekehrt!
Sich einem Fallbeispiel wie Spanien zu nähern, seine Transfer- und Austauschprozesse in den Blick zu nehmen, bedeutet darüber hinaus, etablierte Ordnungen der Globalisierung im Arbeitsfeld der Geschichtswissenschaften zu hinterfragen, die Spanien in das Paradigma der Rückständigkeit einordneten.

Angesichts der starken Zergliederung der historischen Spanienforschung im deutschsprachigen Raum, hat dieser Workshop zwei Ziele: den wissenschaftlichen Austausch, aber auch die Vernetzung.

Dementsprechend sollen v.a. Nachwuchswissenschaftler*innen der Geschichtswissenschaften die Möglichkeit für einen intensiven Austausch haben. Die Veranstalter*innen laden aber auch dezidiert zum interdisziplinären Austausch mit den Nachbardisziplinen ein, um so durch neue theoretische Perspektiven oder Quellen weitere, vielversprechende Anregungen für neue Forschungsprojekte innerhalb der Spanienforschung zu bekommen.
Bitte schicken Sie Ihre Einreichung (Vortragstitel, Abstract mit ca. 350 Wörtern sowie eine Kurzbiografie mit Kontaktdaten) bis zum 20. April 2019 als ein PDF an: respacializingspain@uni-leipzig.de

Die Bewerber*innen werden im Mai 2019 über die endgültige Entscheidung informiert.
Die Aufenthaltskosten (zwei Übernachtungen) und eine Fahrtkostenpauschale werden vorbehaltlich der Mittelbewilligung getragen.

Veranstaltet von:
Katharina Seibert, Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Leipzig
Dr. Linda Erker, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

In Kooperation mit:
Prof. Till Kössler, Institut für Pädagogik, Historische Erziehungswissenschaft, Universität Halle
Prof. Claudia Kraft, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte ebenfalls an: respacializingspain@uni-leipzig.de

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Über Alexandra Stang

Doktorandin im Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation (IWK) und Lehrbeauftragte für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik/Auslandsschulwesen und Planungs- /Organisationskompetenz im MA Studiengang "Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache" und Lehramtsergänzungsfach am Institut für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Interkulturelle Studien an der Universität Jena sowie Lehrbeauftragte im Modul "Cultural Studies / Introduction to Cultural Theory" an der Karlshochschule International University in Karlsruhe
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