CfP: Auftakttagung des Forschungsprojekts „Migrantische Perspektiven auf den Wiedervereinigungsprozess in Ostdeutschland“ an der Hochschule Mittweida – Deadline für Abstracts 15. August

Die Auftakttagung des Forschungsprojektes „30 Jahre Deutsche Einheit: Migrantische Perspektiven auf den Wiedervereinigungsprozess in Ostdeutschland“ an der Hochschule Mittweida vom 29.-30. Oktober möchte einen solchen Reflexions- und Gestaltungsraum initiieren, bestehendes kollektives Wissen, Narrationen aus den verschiedenen Communities und Feldern zusammenzubringen, und neue Perspektiven sichtbar zu machen.

Die gängige und einseitige „Erfolgsgeschichte der Deutschen Einheit“ spiegelt die vielschichtige Bedeutung der Wende und des Transformationsprozesses für migrantische, diasporische und weitere intersektional marginalisierte BIPoC Perspektiven kaum wider. Was wissen wir eigentlich (noch nicht, oder nicht ausreichend) über den Nachwende- bzw. Transformationsprozess im Osten bis zum diesjährigen Jubiläum „30 Jahre Deutscher Einheit“? Auf der Tagung sollen vielfältige, bislang selten gestellte Fragen hör-, sicht- und diskutierbar werden. Die ehemalige DDR, und Ostdeutschland heute, war, ist und bleibt eine Migrationsgesellschaft. Vertragsarbeiter*innen, internationale Auszubildende und Studierende, politische Immigrant*innen, damals „Ausländer“ in der DDR, heute Ostdeutsche. Dazu zählen auch neue Generationen von Migrant*innen mit und nach der Wende.

Sie alle haben auch Geschichte(n), Erfahrungen, Erinnerungen, sind Teil des Transformationsprozesses und gestalten heute die „neue Gesellschaft“ im Osten, wie im Westen, mit. Auch sie haben gelebt und gekämpft, und tun dies weiterhin. Als Akteur*innen, ob Einzelkämpfer*innen, in Kollektiven oder in Bewegungen, haben auch sie mit und nach der Wende Umbrüche und Aufbrüche, Erfolge und Verluste durchlebt. Besonders für marginalisierte Communities und BIPoC Generationen heute ist dieses Wissen und diese Geschichte(n) zentral für ihre historische Verortung und gegenwärtige Positionierungen. Sie sind heute wichtige Referenzen für ihre Kämpfe und Bewegungen, aber auch für gesamtgesellschaftliche Prozesse.

Das Forschungsprojekt wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. In Ergänzung zu bereits geladenen Stimmen, möchten wir weitere Forschende, Studierende und Personen aus Kunst und Kultur, Aktivismus und Praxisarbeit migrantischer Selbstorganisationen (MSO) einladen, ihre themenrelevanten Aktivitäten, Projekte, Forschungen, Studien oder Abschlussarbeiten mit den Teilnehmer*innen der Tagung zu teilen. Ihre Abstracts (halbe bis eine Seite) für einen Tagungsbeitrag mit kurzer Autor*innenvorstellung können Sie bis spätestens 15. August 2020 zu folgenden Themen-/ Fragenkomplexen einreichen:

  • Was ist die ostdeutsche, intersektionale Migrationsgesellschaft?
  • Was heißt es als migrantisierte, marginalisierte Menschen in der Nachwendezeit in Ostdeutschland zu leben und zu kämpfen?
  • Welche Enttäuschungen, Erfolge und Schlüsse gab es aus den Kämpfen?
  • Welche Orte, Räume und Strukturen existieren (nicht) und werden aufgebaut?
  • Welche Erfahrungen teilen die Generationen bzw. inwieweit gibt es Wissens- und Erfahrungstransfer an neue Generationen von Migrant*innen nach der Wende?
  • Welche Kontinuitäten bestehen weiterhin?
  • Was sind die Bedingungen für Organisationen, und welche Formen der Organisierung gibt es in urbanen versus ländlichen Räumen?
  • Gibt es andere Bedürfnisse für Selbstorganisierung im Osten? Welche (geteilten) Erfahrungen und Zusammenschlüsse gibt es zwischen Communities und Generationen?
  • Rassismus und Empowerment in Ostdeutschland Was sind kontinuierliche Kämpfe für Menschen in Ostdeutschland, die Rassismus und weitere Unterdrückungen sowie soziale Ungerechtigkeit erfahren?
  • Welche Brüche und Zäsuren (wie z.B. Morde und Selbstenttarnung des NSU, Anschläge in Halle, Hanau etc.) gab es, und welche Bedeutung hatten diese für das Leben in der Diaspora?
  • Wie unterscheiden sich Erfahrungen von Rassismus und Rechtem Terror im Osten und im Westen?
  • Wie präg(t)en intersektionale- migrantische und BIPoC Akteur*innen, Organisationen und Bewegungen verschiedener Generationen den Vereinigungs- und Transformationsprozess bis heute? Und wie wurden sie davon geprägt?
  • Welche Formen der Erinnerung und des Gedenkens gibt es? Wer gehört alles zum „Kollektiv“ des „kollektiven Gedächtnisses“?
  • Wer ist ostdeutsch, und welche Stimmen werden gehört? Warum ist es wichtig den Osten aus intersektionalen und intergenerationalen Perspektiven zu betrachten?
  • Was bedeuten diese Perspektiven für diasporisches, migrantisches Leben in der Gegenwart und Zukunft in Ost- /Deutschland?

Wir freuen uns auf spannende Abstracts bis spätestens 15. August 2020. Abstracts bitte senden an: Prof. Dr. Asiye Kaya, Projektleiterin, kaya@hs-mittweida.de und Phuong Thúy Nguyen, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, nguyen@hs-mittweida.de

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Über Alexandra Stang

Doktorandin im Bereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation (IWK) und Lehrbeauftragte für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik/Auslandsschulwesen und Planungs- /Organisationskompetenz im MA Studiengang "Auslandsgermanistik/Deutsch als Fremd- und Zweitsprache" und Lehramtsergänzungsfach am Institut für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und Interkulturelle Studien an der Universität Jena
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